Kompaktfolge: Wie gelingt Selbstfürsorge?

Shownotes

Selbstfürsorge klingt oft nach Auszeit und Zeit, die im Pflegealltag kaum da ist. In dieser Kompaktfolge von „Leben. Lieben. Pflegen. Der Desideria Podcast zu Demenz und Familie“ zeigt Podcast-Host Peggy Elfmann, dass es auch anders geht.

In dieser Folge hat sie fünf Gedanken von ihren Gästen der Podcastfolgen gesammelt und lässt sie zu Wort kommen. Sie teilen eigene Erfahrungen, neue Perspektiven und alltagstaugliche Impulse. Sie sprechen darüber:

  • warum fünf Minuten Selbstfürsorge oft besser sind als gar keine
  • Wie Austausch und Verbindung Einsamkeit lindern können
  • Weshalb Reden über Angst ein wichtiger Akt der Selbstfürsorge ist
  • Wie es entlasten kann, im Moment zu bleiben, statt die ganze Zukunft zu tragen
  • Warum Routinen und kleine Rituale im Alltag Stabilität geben

Diese Folge macht Mut, Selbstfürsorge kleiner zu denken – und gerade deshalb ernst zu nehmen. Selbstfürsorge ist kein Luxus – sie ist die Grundlage, um einen Angehörigen mit Dememz langfristig begleiten zu können.

Hör dir gerne die Folge an und nimm dir heute bewusst einen kleinen Moment für dich!

Alles Gute Peggy

Noch eine Bitte: Teile den Podcast mit anderen Angehörigen und Interessierten. Ich freue mich auch, wenn du „Leben. Lieben. Pflegen“ abonnierst und eine positive Bewertung hinterlässt.

Desideria-Angebot: Atempause am Mittwoch Immer mittwochs um 11 Uhr findet die Atempause am Mittwoch statt. Gönn dir eine kurze Auszeit: 15 Minuten innehalten, durchatmen, neue Kraft schöpfen. Die Atempause ist ein kostenloses Online-Angebot für alle, die für einen Moment zur Ruhe kommen möchten – ganz ohne Anmeldung. Weitere Infos und Zoom-Link

Transkript anzeigen

LLP 58 „Leben. Lieben. Pflegen“-Kompakt. Selbstfürsorge

Selbstfürsorge, die wirklich geht: Fünf Ideen von Podcast-Gästen

Soundbett

„Leben. Lieben. Pflegen. Der Desideria-Podcast zu Demenz und Familie“

Intro

Herzlich willkommen zu einer neuen Kompaktfolge von„Leben. Lieben. Pflegen.“ Ich bin Peggy Elfmann, Journalistin und pflegende Angehörige. Hier in diesem Podcast geht es um das Thema Demenz. Ich möchte euch Wissen und Anregungen für euren Alltag als Angehörige geben.

Heute geht es um ein Thema, das viele Angehörige kennen: Selbstfürsorge. Wir hören diesen Satz oft: „Pass gut auf dich auf.“ Oder „Nimm dir mal eine Auszeit.“ Vielleicht denkt ihr dann auch sofort: „Ja, aber wie?“. Wann und wie soll das gehen bei all dem, was täglich zu tun ist?

Deshalb habe ich heute fünf Gedanken aus den bisherigen Podcastfolgen zusammengestellt –und lasse meine Gäste zu Wort kommen. Sie bringen neue Perspektiven mit und erfahrene Tipps rund um Selbstfürsorge.

Bevor ich anfange noch eine große Bitte: Teilt den Podcast mit anderen Angehörigen und Interessierten. Ich freue mich auch, wenn ihr „Leben. Lieben. Pflegen“ abonniert und uns auf der Podcast-Plattform deiner Wahl positiv bewertet.

Soundbett

1. Gedanke – Kleine Schritte zählen (Folge 49, Maja )

Selbstfürsorge, da sind wir uns vermutlich einig, ist wichtig. Es ist aber auch ein Thema, das wir gerne hintenan schieben, weil wir im Alltag so viel erledigen müssen. Selbstfürsorge, das klingt oft so groß, nach Wellnesswochenende, nach stundenlangem Spaziergang. Das macht dann nur zusätzlichen Druck. In der Folge zur Selbstfürsorge hat mein Gast Maja Günther einen Satz gesagt, der etwas Befreiendes hat. Maja ist Familiencoach bei Desideria und war pflegende Angehörige. Sie sagt zur Selbstfürsorge:

O-Ton Maja Günther, Folge 49 (2:08–2:50):

„Da gibt es eine riesengroße Range und ich würde sagen, fünf Minuten sind schon besser als null Minuten. Und es kommt natürlich immer auch auf die Lebenssituation des Menschen drauf an. Also es gibt ja so diese Selbstfürsorge, die man in einem gut funktionierenden Alltag einbaut, wo man einfach sagt, ich achte auf meine Work-Life-Balance und schaue, dass ich gesund esse und mich genügend bewege und ausreichend schlafe.

Und dann gibt es ja aber auch Selbstfürsorge, wie du schon angesprochen hast, in diesen schwierigen Situationen, wo man einfach auch schon ganz wenig Zeit hat für sich. Und da ist es oft schon hilfreich, einfach mal einen kurzen Scan nach innen zu machen mit den Sensoren und sich selbst zu fragen, wie geht es mir denn eigentlich gerade?“

Peggy:Selbstfürsorge muss also nicht die große Auszeit sein. Es beginnt mit fünf Minuten oder auch nur einem bewussten Atemzug. Und manchmal reicht schon die Frage: Wie geht es mir eigentlich gerade?

Soundbett

2. Gedanke – Wir müssen da nicht alleine durch (Folge 40, Desirée von Bohlen und Halbach)

Peggy:Ein Gefühl, das viele Angehörige kennen, ist die Einsamkeit. Ich habe darüber mit Desirée von Bohlen und Halbach, Gründerin und Coach von Desideria gesprochen. Sie beschreibt das so:

O-Ton Desiree , Folge 40 (2:55–3:40):

„ Es ist ein schleichender Prozess und ich glaube, man wird sich erst sehr viel später oder wird sich im Klaren darüber, was es heißt, dann diese Einsamkeit auch zu spüren, die sich ja vielschichtig breit macht. Einmal bei dem Erkrankten, der auch immer einsamer wird, in seiner eigenen Welt quasi verschwindet oder sich darin auflöst und dann eben auch die Angehörigen, die damit umgehen müssen, einen wertvollen Gesprächspartner zu verlieren. Also ich habe eine Klientin, die gesagt hat, mein Mann war mir ein Leben lang ein wertvoller Gesprächspartner und der bricht Stück für Stück weg. Also das ist so eine Einsamkeit, die in Stufen kommt, in Etappen kommt, immer wieder. Vielleicht geht es dann mal wieder besser, dann gewöhnt man sich wieder an den nächsten Schritt. Aber wenn es dann immer wieder weniger wird, ich glaube, dann wird die Einsamkeit immer mehr bewusst, dass man keinen Gesprächspartner mehr hat und sich deshalb auch einsam fühlt.

Peggy:

Mit Desiree habe ich darüber gesprochen, wie sehr Austausch entlasten kann. Sie sagt:

O-Ton Desiree , Folge 40 (10:20–11:10):

„Ich leite ja auch eine Angehörigengruppe und ich merke einfach, wie sehr die Menschen das wertschätzen, dass sie anderen Menschen begegnen dürfen, die in ähnlichen Situationen sind. Und allein durch diesen Austausch mit anderen, glaube ich, fühlen sie sich ein Stück weit nicht mehr ganz so einsam. Dadurch, dass ich andere Menschen kennenlernen darf, die Ähnliches durchleben, hilft das ein Stück weit, sich nicht ganz so einsam zu fühlen. Und das ist wirklich so ein Appell an unsere Hörer, die das Thema zu Hause haben und die das merken, dass ich immer einsamer werde, sich so einer Gruppe vielleicht anzuschließen, um genau dem erstmal vorzubeugen, dass das noch mehr Überhand nimmt, dieses Gefühl von Einsamkeit.

Peggy:

Selbstfürsorge bedeutet auch: Sich verbinden. Manchmal ist das die vielleicht wichtigste Auszeit: Sich gehört fühlen. In einer Angehörigen- oder Selbsthilfegruppe etwa.

Soundbett

3. Gedanke – Reden macht die Angst kleiner (Folge 44, Katrin Seyfert)

Peggy:Ein weiterer Aspekt von Selbstfürsorge, über den wir selten sprechen, ist der Umgang mit Angst. Viele pflegende Angehörige berichten davon, dass die Angst ein ständiger Begleiter ist: Angst vor dem, was kommt. Die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen oder auch irgendwann nicht mehr zu können. Ich habe darüber mit Katrin Seyfert gesprochen. Sie ist Journalistin und Autorin und hat ihren Mann begleitet, der früh an einer Frontotemporalen Demenz erkrankt war. Sie sagt:

O-Ton Katrin Seyfert, Folge 44 (6:35–7:01):

„Naja doch, Angst, also das wäre ja knallfett gelogen, wenn ich sagen würde, ich hatte keine Angst. Ich hatte vor der Diagnose Angst, ich hatte während der Diagnose Angst, ich hatte danach Angst. Also Angst, glaube ich, war ein täglicher Begleiter. Aber ich habe sie klein gekriegt, indem ich darüber geredet habe.“

Peggy:Katrin Seifert berichtet darüber, wie entscheidend es für sie war, über ihre Angst zu sprechen – und dass genau das ein Akt der Selbstfürsorge ist. Ganz klar, die Angst verschwindet dadurch nicht, aber wir müssen sie nicht mehr alleine tragen. Vielleicht ist Selbstfürsorge für euch auch genau das: Jemandem sagen zu können: „Es ist gerade schwer“. Und zu erleben, dass ihr nicht alleine seid.

Soundbett

4. Gedanke – Im Moment bleiben (Folge 32, Robert Urban)

Peggy:Ein weiterer Gedanke, der mich sehr berührt hat, beschreibt, wie wichtig es ist, in schweren Momenten bewusst innezuhalten. Mein Gast Robert Urban hat in einer Folge zu Demenz und Partnerschaft von den Augenblicken erzählt, in denen ihm die Verschlechterung der Demenz seiner Frau aus der Bahn wirft. Er sagte:

O-Ton Robert Urban, Folge 32 (10:35–11:08)

„Die Momente, die mich wirklich treffen, sind die Momente, wo ich merke, dass sich der Zustand meiner Frau verschlechtert hat. Das sind Momente, die mich auch aus der Bahn werfen, weil sie mich also aus der Routine heraus in eine noch sehr viel rauere, härtere Wirklichkeit zurückholen. Da muss ich wirklich in mich gehen und das zu akzeptieren, dass die Krankheit voranschreitet, ist das Schlimmste. Weil das sind Momente, die mir wahnsinnig Angst machen. Die machen mir Angst vor der Zukunft und die machen mir auch Angst davor, ob ich das wirklich bewältigen kann.

Und Robert hat mir erzählt, was ihm dann hilft:

O-Ton Robert Urban, Folge 32 (12:30–12:55).

„Da ist es so, dass ich das wirklich nur, also für mich jetzt mit autogenem Training, also das heißt, ich setze mich hin und sage, okay, das ist jetzt so, ich muss damit jetzt umgehen und mich wirklich dazu zwinge, nicht daran zu denken, dass der nächste Schritt kommen wird, sondern ich sage mir, okay, wie gehe ich jetzt mit diesem Schritt um.

Das ist individuell für mich, aber es bedeutet in seiner Ganzheit, ich werde meine Frau verlieren. Aber das ist ein Gedanke, in dem darf ich mich nicht verlieren, sonst werde ich verrückt. Ich muss dem dann einfach so begegnen."

Peggy:Erinnerungen sind Brücken – sie verbinden uns über die Krankheit hinaus. Und sie zeigen, dass Nähe kein Gedächtnis braucht, sondern Gefühl.

Ich finde, das ist ein wichtiger Gedanke für Selbstfürsorge: Nicht an die ganze Zukunft zu denken. Nicht alles auf einmal tragen, sondern den Moment halten. Atmen. Sich sammeln, bevor man weitergeht.

Für Robert heißt das autogenes Training, für andere ist es vielleicht ein kurzer Spaziergang, ein Musikstück, ein Gebet oder einfach fünf Minuten Stille und aus dem Fenster schauen. Welches kleine Ritual hilft dir denn im Alltag?

Soundbett

5. Gedanke – Routinen als tägliche Selbstfürsorge (Folge 49, Maja)

Peggy:Ein Punkt, den mein Gast Maja Günter in Folge 49 betont hat, ist die Kraft von Regelmäßigkeit und kleinen Ritualen, denn sie geben Halt und Struktur. Vielleicht kennt ihr das: Wenn ich mir eine Pause nur für mich vornehme, dann gerät die leicht außer acht, weil dann andere To-Dos wichtiger sind. Selbstfürsorge, das ist nichts Einmaliges, sondern wirkt am stärksten, wenn sie Teil des Tages oder der Woche ist.

Maja hat beschrieben, wie sie selbst das umsetzt:

O-Ton Maja Günther, Folge 49 (24:23–26:27).

"Also ich empfehle immer, und das mache ich tatsächlich selber auch so, diese Termine wie Arbeitstermine zu behandeln. Dass man die wirklich in den Kalender einträgt und sagt so, heute früh eine halbe Stunde Badewanne, das ist eine Zeit, die ich für mich habe, aber die wird behandelt wie eine Arbeitszeit.

Und ich mache das auch mit Mittagspausen. Also ich mache normalerweise zwei Stunden Mittagspause, aber in der Zeit gehe ich dann auch zum Supermarkt und kaufe Lebensmittel ein, überlege mir, worauf habe ich Appetit heute, was brauche ich. Dann koche ich mir was Gutes und zwar immer mit der Idee, ich tue mir selbst was Gutes. Also ich behandle meinen Körper liebevoll und zuvorkommend und es gibt mir Kraft und es gibt mir Energie, um dann an anderer Stelle wieder Energie anderen zu geben. Und das steht bei mir im Kalender drin. Also ich habe da die Zeiten eingetragen, jeden Tag. Wann sind meine Pausen? Wann mache ich was für mich? Und wann sind die Zeiten, wo ich für meinen Job arbeite?

Ich höre jetzt schon die innere Stimme, zwei Stunden Pause. Wie soll das denn funktionieren in meinem Alltag?

Ja.Aber du hast schon von den fünf Minuten gesprochen. Und dann vielleicht im Anschluss auch, will ich jetzt erst frühstücken oder erst duschen? Das sind auch schon so kleine Entscheidungen, die fürs Wohlbefinden eine riesengroße Wirkung haben. Und es braucht in Summe vielleicht fünf Minuten und dann weiß ich schon, was will ich anziehen? Will ich jetzt duschen? Möchte ich lieber ein Brot oder Haferflocken essen oder vielleicht später frühstücken? Das sind alles so Dinge, wenn wir das trainieren, dann machen wir das irgendwann automatisch und es macht einen riesengroßen Unterschied.“

Peggy:Ich finde diesen Gedanken unglaublich wertvoll, denn Routinen geben Stabilität, gerade wenn sich rundherum so viel verändert oder wir gefordert sind. Routinen erinnern uns täglich daran: Mein Wohlbefinden zählt. Ich darf mich um mich kümmern.

Es müssen nicht 20 oder 30 Minuten sein. Aber fünf Minuten, jeden Tag — das ist etwas, das Kraft aufbaut wie ein Muskel. Und der wird stärker, je regelmäßiger wir ihn trainieren.

Outro

Das waren fünf Gedanken zum Thema Selbstfürsorge, von meinen Gästen hier bei „Leben. Lieben. Pflegen.“ Ich hoffe, ihr könnt für euch den ein oder anderen Gedanken mitnehmen. Für mich ist es der Impuls. Selbstfürsorge ist nichts Großes, sondern etwas Kleines, das wir oft vergessen.Selbstfürsorge ist kein Luxus oder Nice-to-have, sondern die Basis, dass wir über lange Zeit einen Menschen mit Demenz begleiten und pflegen können.

Vielleicht sind es nur fünf Minuten. Nur ein Gespräch. Vielleicht nur ein Atemzug.

Ich wünsche euch, dass ihr heute einen dieser kleinen Schritte findet — ganz bewusst.

Wenn ihr Austausch sucht: Schaut gerne bei den Angehörigengruppen von Desideria vorbei. Jeden Mittwoch um 11 Uhr findet die Atempause statt. Das ist ein digitales Angebot von Desideria. Es sind 15 Minuten, die ihr zum Luftholen und Durchatmen nutzen könnt. Ganz unkompliziert, ohne Gebühr und Anmeldung. Den Link findet ihr in den Shownotes.

Danke fürs Zuhören. Passt gut auf euch auf. Und empfehlt diese Folge und diesen Podcast gerne weiter. Wir freuen uns sehr über Likes und Bewertungen auf Apple Podcasts oder Spotify und wenn ihr unseren Podcast abonniert.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.