Wissen kompakt: Wie treffe ich die richtige Entscheidung?" – Fünf Impulse für pflegende Angehörige

Shownotes

Wann ist die Tagespflege die richtige? Soll das Bad umgebaut werden? Und irgendwann: das Pflegeheim. Wer einen Menschen mit Demenz begleitet, muss immer wieder Entscheidungen treffen – kleine und sehr große. Und oft fühlt es sich an, als würde man im Kreisverkehr fahren, Runde um Runde, ohne abbiegen zu können. "Wir haben einfach alle Angst vor schlechten Entscheidungen", sagt Anja Kälin.

In dieser Kompaktfolge “Leben. Lieben. Pflegen” hat Podcast-Host Peggy Elfmann fünf Impulse aus früheren Gesprächen gesammelt, die dir helfen, wenn die nächste Entscheidung ansteht.

In dieser Folge geht es um:

  • Warum uns große Entscheidungen so schwerfallen – und wie Kopf, Bauch und Herz hineinspielen
  • Wie es gelingt, einen Menschen einzubeziehen, der es selbst nicht mehr kann
  • Wie du einen inneren Anker findet, wenn Zweifel und Unsicherheit bleiben

Zu Wort kommen: Familientherapeutin und Desideria-Mitgründerin Anja Kälin, Mediator und Desideria-Coach Martin Schönacher sowie Stefanie Wagner-Fuhs, die ihre Mutter fast acht Jahre lang begleitet hat.

Hör dir gerne die Folge an und nimm dir heute bewusst einen kleinen Moment für dich!

Alles Gute, Peggy

Redaktion & Host: Peggy Elfmann Technik & Produktion: Till Wollenweber

„Leben. Lieben. Pflegen." ist ein Angebot von Desideria. Mehr Infos: www.lebenliebenpflegen.de

Für Kommentare, Themenideen und Kooperationsanfragen, schreibt gerne an: podcast@desideria.org

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Unterstützung für Angehörige

Wenn du dir in solchen Momenten Unterstützung wünscht: Desideria bietet Einzelcoachings, Angehörigengruppen und Seminare an. Die nächsten Termine findet ihr auf desideria.org.

Transkript anzeigen

00:00:02: Herzlich willkommen zu einer neuen Kompaktfolge von Leben, Lieben, Pflegen.

00:00:22: Der Désideria-Podcast zur Demenz und Familie.

00:00:25: Ich bin Peggy Elfmann, Journalistin und Pflegender Angehörige.

00:00:30: Wenn man einen Menschen mit Demenz begleitet muss man viele Entscheidungen treffen Kleine alltägliche und auch sehr große.

00:00:38: Welche Tagespflege ist die richtige?

00:00:40: Das Badezimmer umbauen oder lieber nicht?

00:00:43: und irgendwann drehen sich Entscheidungen auch um das Thema Pflegeheimen.

00:00:47: Viele Angehörige berichten, wie schwer ihnen genau das fällt – Entscheidungen treffen!

00:00:53: In dieser Kompaktfolge habe ich fünf Impulse aus früheren Gesprächen gesammelt, Gedanken die vielleicht helfen wenn die nächste große Entscheidung vor euch liegt.

00:01:03: Bevor ich anfange noch eine große Bitte teilt den Podcast mit anderen Angehöhrigen und Interessierten.

00:01:10: Ich freue mich auch, wenn ihr Leben lieben Pflegen abonniert und uns auf der Podcast-Plattform Eurer Wahl positiv bewertet.

00:01:17: Herzlichen Dank dafür!

00:01:41: Anja Kehlin, Familientherapeutin und Mitgründerin von Desideria hat das in unserer Folge zum Thema Entscheidungen mal so beschrieben.

00:01:50: Wenn ich eine Entscheidung zu treffen habe dann fühlt sich es manchmal an als ob ich im Kreisverkehr fahre und Runde um Runde mache.

00:01:58: Ich sehe diese ganzen Ausfahrten Dann gibt es halt vielleicht den Punkt, wo ich dann aus dem Bauch heraus entscheide.

00:02:06: So jetzt biege ich hier ab oder mir vorher eben hunderttausend Gedanken mache welche Abzweigungen ich nehme und wir haben einfach alle Angst vor schlechten Entscheidungen.

00:02:20: Dieser Kreisverkehr er entsteht auch weil viele Gedanken und Gefühle auftauchen und gerade bei großen Entscheidungen spielen verschiedene Ebenen mit hinein.

00:02:30: Anja hat mir das Folgendermaßen erklärt.

00:02:33: Ich finde, da ist so dieses Bild hilfreich, dass es verschiedene Ebenen gibt mit denen man eine Entscheidung trifft, sei mal der Kopf als die Ratio, die möchte, dass ich möglichst viele Informationen habe.

00:02:46: dann gibt's so dieses Bauchgefühl Das heißt hier sind eher unsere Stimmungen und Emotionen und vielleicht auch unsere Erfahrungen drinnen oft auch ein sehr unbewusster Teil der Entscheidung, den ich mir gar nicht so bewusst mache.

00:03:03: Und dann gibt es natürlich noch die Entscheidung, die man mit dem Herzen trifft also wo dann auch die Nähe zu der Person eine Rolle spielt als wenn ich ne Herzensentscheidung treffe aus Liebe, Zuneigung, Verbundenheit und das sind diese drei ebenen, die eine Rolle spielen in dieser Entscheidung gerade wenn es um große Entscheidungen geht.

00:03:27: Dieser Kreisverkehr entsteht auch, weil große Entscheidungen in der Pflege immer auch Entscheidungen für eine bestimmte Richtung in der Zukunft sind.

00:03:36: Beispielsweise ins Pflegeheim umziehen oder nicht.

00:03:40: Entscheidungen fallen uns auch deshalb auf so schwer, weil wir nun mal nicht in die Zukunft schauen können und niemand vorhersehen kann ob diese Entscheidung so richtig ist.

00:03:52: Zweiter Gedanke entscheiden für jemanden, der es nicht mehr kann.

00:03:58: Was diese Entscheidungen im Pflegealltag besonders macht, ist dass wir sie oft nicht nur für uns selbst treffen.

00:04:04: In der Fürsorge eines Angehörigen mit Demenz stehen im Laufe der Erkrankung immer mehr Entscheidungen an die wir für diese Person fällen müssen.

00:04:12: Ich habe das in unserer Folge zu Entscheidungen so beschrieben was mir oft ein bisschen schwer fällt oder jetzt auch in dieser Entscheidung ziemlich schwer gefallen ist Dass meine Mama die eigentlich nicht mehr treffen kann schon lange nicht mehr und Ich für Sie entscheiden muss, quasi von meinem Gefühl her gehe.

00:04:33: Aber es für sie entscheidet und gar nicht genau weiß, mag sie das so?

00:04:37: Dieses Nicht-Wissen ob man das Richtige für den anderen tut – Das ist einer der tiefsten Schmerzen in der Pflege Und gleichzeitig kann man es kaum vermeiden.

00:04:47: Auch deshalb ist es ja so hilfreich wenn man frühzeitig in der Familie ins Gespräch kommt und sich auch über Themen wie Planung der Pflege oder den Umzug in ein Pflegeheim austauschen kann.

00:05:00: Dritter Gedanke, die Personen mit Demenz einbeziehen.

00:05:06: Ideal ist es natürlich wenn man die Person um dies geht auch einbeziehen kann aber im Laufe einer Demenzerkrankung ist dies kognitiv oft gar nicht mehr möglich.

00:05:15: und doch gibt es Wege die Personen Mit Demenz in der Entscheidung teilhaben zu lassen Auch wenn das vielleicht nicht mehr so aktiv geht.

00:05:23: Martin Schönacher, Mediator, Familientherapeut und Coach bei Desideria hat in unserer Folge zur Familienkonferenz ein Gedanken geteilt, den ich nie vergessen habe.

00:05:33: Und dann finde ich es eine sehr schöne Gedanke wenn man jetzt wirklich einen Gespräch hat ohne diese Person, ohne die Menschen mit dem Mensch da vielleicht einen Platz aufzustellen.

00:05:41: Ein leeren Stuhl mit einem Namen Schild drauf oder drauf steht Papa oder Paul oder wie sie ja benannt wird von den einzelnen Familienmitgliedern dass man zumindest ihnen optisch auch im Raum hat.

00:05:52: Man sollte ihm Gespräch nicht vergessen, dass es ein Teil der Familie ist und das auch seine Meinung wichtig ist.

00:05:57: Und wenn man ihn nicht dabei hat dann hat man ihn nur nicht dabei weil man in dieser Situation denkt er es für besser hält, dass man ihn schützt und dadurch trotzdem irgendwie anders seine Meinung mit

00:06:07: reinbringt.".

00:06:09: Ein Lehrerstuhl mit einem Namensschild, das klingt vielleicht ungewöhnlich aber wer's einmal erlebt hat weiß was das für einen Unterschied macht.

00:06:17: Man spricht nicht mehr nur über die Person, man spricht mit ihr.

00:06:21: Zumindest im Geiste!

00:06:26: Vierter Gedanke

00:06:27: den

00:06:28: inneren Anker finden.

00:06:32: Wenn man alles bedacht hat und Informationen gesammelt hat muss man irgendwann die Entscheidung treffen.

00:06:38: Zweifel und Bedenken sind auch oft dann noch da Und Gedanken wie ist das wirklich gut genug?

00:06:45: Hätte ich nichts mehr tun müssen?

00:06:46: und gibt es eine Alternative?

00:06:49: Stefanie Wagner-Fuß hat ihre an Demenz erkrankte Mutter fast acht Jahre lang begleitet.

00:06:55: In dem Interview hat sie etwas gesagt, das mich sehr bewegt hat – es war der Moment als ihre Mutter nach einer schweren Operation vom Krankenhaus ins Heim kam und im frisch eingerichteten Zimmer aufwachte.

00:07:07: Die Entscheidung für das Pflegeheim bei Stefanie nicht leicht gefallen aber sie wusste dass sie richtig gehandelt hatte als die Mutter aufwachte ihre Bücher waren sah und sagte meine Bücher!

00:07:18: Stephanie hat Anja Kehlin und mir davon erzählt.

00:07:21: Und die beiden sind zu folgendem Fazit gekommen...

00:07:24: Ich brauche jetzt nicht fünf Menschen, die mir sagen was richtig ist!

00:07:29: Weil mir immer noch mein Gefühl und meine Mutter sagt, was richtig is'.

00:07:35: Und das ist glaube ich auch ein schöner Hinweis also dieser Wertekompass.

00:07:41: Der glaube ich beim Navigieren in diesen unsicheren Gewässern der Demenz auch sehr hilfreich sein können.

00:07:48: Und das ist, glaube ich, etwas was ich natürlich lerne oder auch kultivieren kann über die ganze Krankheit hinweg immer wieder auf meinen Wertekompass oder den Familie Wernsekompass zu befragen und zu sagen ja wie agieren wir denn in so einer Situation?

00:08:05: Wie können wir damit gut umgehen dass es für uns oder für mich oder in der Familie stimmig ist und wir handeln danach als das kann helfen

00:08:16: Entscheidungen zu fällen, das ist schwer – gerade wenn es große Entscheidungen sind und wir diese für einen anderen Menschen treffen.

00:08:24: Was uns letztlich immer ein guter Ratgeber ist sich an den eigenen Werten zu orientieren und einen inneren Anker zu finden.

00:08:32: Nicht alles wird richtig sein was wir entscheiden aber wichtig ist dass wir zur Entscheidung stehen können und sagen ich habe mein bestes gegeben!

00:08:43: Fünfter Gedanke ausprobieren und Fehler zulassen.

00:08:49: Und wenn die Entscheidung getroffen ist, wie geht man damit um?

00:08:53: Gerade wenn sie vielleicht doch nicht so optimal war.

00:08:56: Auch darüber habe ich mit Stefanie Wagner Fuß gesprochen und wollte wissen, wie sie im Rückblick auf diese Entscheidung blickt.

00:09:19: und sich immer richtig entscheiden.

00:09:21: Also es hat durchaus in diesen acht Jahren auch mal Entscheidungen gegeben, die ich dann wieder revidiert habe weil ich festgestellt habe Ich hab zwar vorher alles versucht mir zu überlegen was kommen könnte Und das war trotzdem nicht richtig und gut.

00:09:34: In dem Moment fühlte es sich vorab vor der Entscheidung richtig und für meine Mutter an.

00:09:39: Dann als es getroffen war nicht mehr.

00:09:42: Da würde ich mir mehr verzeihen wollen und würde meinem damaligen Ich sagen, lass es zu.

00:09:50: Denn nur wenn du das ausprobierst wirst du sicher sein ob es passt oder

00:09:54: nicht.".

00:09:56: Und vielleicht ist das der wichtigste Gedanke wir müssen und dürfen ausprobieren.

00:10:01: Entscheidungen in der Pflege dürfen Zeit brauchen und auch nachjustiert werden.

00:10:06: keine Entscheidung ist endgültig und keine muss perfekt sein.

00:10:11: Das waren fünf Impulse zum Thema Entscheidungen treffen von meinen Gästen bei Leben lieben pflegen der Desideria Podcast zur Demenz und Familie.

00:10:21: Ich hoffe, der ein oder andere Gedanke hilft euch wenn ihr gerade vor einer Entscheidung steht!

00:10:26: Und denkt daran dass ihr euch so viele Gedanken macht.

00:10:30: das zeigt auch wie sehr euch dieser Mensch am Herzen liegt.

00:10:34: Wenn ihr euch in solchen Momenten Unterstützung wünscht, schaut gerne auch bei den Angeboten von Desideria vorbei.

00:10:40: Einzel Coachings, Angehörigengruppen und Seminare!

00:10:43: Die nächsten Termine für die Angehöhrigengruppe und Workshops findet ihr auf desideria.org – und den Link findet ihr natürlich auch in den Schornuts.

00:10:52: Vielen Dank fürs Zuhören, passt gut auf euch auf und empfehlt diese Folge gerne weiter.

00:11:05: Redaktion Peggy Elfmann, Produktion Til Wallenweber.

00:11:10: Leben lieben pflegen ist ein Angebot von Desideria.

00:11:14: Empfehlt diesen Podcast gerne weiter!

00:11:16: Alle Folgen und Informationen findet ihr in den Show-Notes auf lebenliebenpflegen.de und auf Instagram unter desideriapunkt.ev.

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