Beim Sterben begleiten. Mit Johanna Klug
Shownotes
Sterben und Tod gehören zu den Themen, die den allermeisten Menschen schwerfallen, gerade auch, wenn ein Mensch nach und nach durch eine Demenz von uns geht. In dieser Episode von „Leben. Lieben. Pflegen.“ spricht Peggy mit der Sterbe- und Trauerbegleiterin Johanna Klug. Johanna sagt: “Für mich ist der Tod ein Lebensthema.” Deshalb gibt es für sie auch keinen „richtigen“ Zeitpunkt, um sich mit dem Sterben zu beschäftigen, man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Wie selbstverständlich das sein kann, zeigt eine kleine Geschichte aus dieser Folge: Gemeinsam mit zwei kleinen Mädchen beerdigt Johanna einen toten Maulwurf. Die Ältere hält eine Grabrede und sagt strahlend: „Lieber Maulwurf, das Leben ist schön.“
Johanna erzählt von ihren Begegnungen im Altenheim, auf der Palliativstation und im Hospiz, von der Gleichzeitigkeit von Schönem und Schwerem – und davon, wie viel wir von Menschen mit Demenz, von Sterbenden und von Kindern lernen können.
Es lohnt, sich über Tod und Sterben zu sprechen, ist Johanna überzeugt. “Es geht ja auch nicht nur um mein Leben, sondern es geht auch um das von den An- und Zugehörigen”, sagt Johanna. “Am Ende des Tages ist es eine ganz schöne Ego-Nummer, wenn man sagt: ‘Nee, ich möchte mich damit nicht auseinandersetzen, weil ich kann das nicht so gut.’ Ja, aber es geht nicht immer nur um dich. Du bist ja dann weg, also kann dir egal sein, aber die, die bleiben, die müssen sich in unserem System hier halt dann darum kümmern. Neben all der Trauer.” Wie man ins Gespräch kommt, dazu hat Johanna Tipps.
Johanna arbeitet seit vielen Jahren auf der Palliativstation und begleitet sterbende Menschen. Im Gespräch teilt sie ihre Erfahrungen und erzählt davon, was Angehörige oder Freunde man am Sterbebett tun können: da sein, vorlesen, vorsingen, die Lippen befeuchten – und reden, denn nach Johannas Erfahrung hören Sterbende oft noch, was um sie herum gesagt wird.
Sie sprechen auch darüber, wie man mit Sätzen umgeht, wenn eine Person sagt “Ich will nicht. mehr”. Oft stecke dahinter ein Hilferuf, Einsamkeit oder das Gefühl, eine Last zu sein. Was Johanna Angehörigen mitgibt: sich austauschen, Hilfe holen: Man muss das nicht allein schaffen.
Hört gerne hinein in diese Folge und leitet sie an Interessierte und andere Angehörige weiter!
Redaktion und Host: Peggy Elfmann
Technik und Produktion: Till Wollenweber
Für Kommentare, Themenideen und Kooperationsanfragen, schreibt gerne an: podcast@desideria.org
Mehr von Johanna Klug findet ihr hier: Johanna Klug sowie ihr Podcast “KLUG und TOD”
Die Produktion dieser Folge wird finanziell unterstützt vom Rotary Club München Hofgarten. Ganz herzlichen Dank!
In dieser Folge geht es auch um Sterbewünsche. Wenn dich das belastet oder du selbst Suizidgedanken hast: Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online unter telefonseelsorge.de
Angebote von Desideria:
Intensivworkshop: Ein Workshop, vier Abende, ein Thema: Wir laden ein, das eigene Wissen zu vertiefen und Neues kennenzulernen. Sie werden in praktischen Übungen angeleitet, für die eigene Familiensituation neue Perspektiven zu entwickeln und Lösungen zu finden. Die nächsten Termine und Informationen: Intensivworkshops | Desideria
Transkript anzeigen
00:00:00: Es gibt Themen, die den allermeisten Menschen schwerfallen.
00:00:03: Sterben und Tod gehören dazu gerade auch wenn ein Mensch nach und nach durch eine Demenz von uns geht.
00:00:10: In dieser Episode von Leben lieben pflegen ist Johanna Klugzugast.
00:00:14: sie ist Sterbe- und Trauerbegleiterin.
00:00:16: Wir sprechen darüber wie man gut über das Sterben sprechen kann Und wie man Angehörige auf diesem letzten Weg begleitet.
00:00:36: Herzlich Willkommen zu Leben lieben pflegen der desideria podcast zur Demenz und Familie.
00:00:41: mein Name ist Peggy Elfmann.
00:00:43: Ich bin Journalistin und pflegende Angehörige und hier im Podcast spreche ich mit meinen Gästen über Themen die Angehörtige und Pflegende beschäftigen, ich möchte euch wissen und Anregung für euren Alter geben!
00:00:55: Mein heutiger Gast ist Johanna Kloh.
00:00:58: Sie ist Sterbe- und Trauerbegleiterin, Autorin und Speakerin.
00:01:02: In Ihrem Podcast Klug und Tod spricht sie mit Gästen über den Tod als gesellschaftliches Tabuthema auch.
00:01:08: Wir möchten heute darüber sprechen wie man als Angehörig beim Sterben begleiten kann?
00:01:13: Wie man auch mit der eigenen Trauer umgehen kann?
00:01:17: Liebe Johanna ich freue mich sehr dass du da bist!
00:01:21: Herzlich willkommen bei lieben lieben pflegen.
00:01:23: Ja vielen Dank für die Einladung und ich freu' mich auch.
00:01:28: Bevor wir anfangen, möchte ich noch Dankeschön sagen.
00:01:31: Ein großer Dank geht an den Rotary Club München Hofgarten.
00:01:35: Er unterstützt uns finanziell bei der Produktion dieser Folge.
00:01:39: Ganz herzlichen Dank.
00:01:42: Ja liebe Johanna Wir sprechen heute über ein Thema das für die allermeisten Menschen nicht so einfach ist.
00:01:48: Für mich auch ist Ich finde es sehr ungeübt über Tod und Sterben zu sprechen.
00:01:54: Was gewinnen wir denn oder warum ist es so wichtig, dass wir das zum Thema machen und darüber reden?
00:01:59: Ja gute Frage.
00:02:02: Und ich glaube da treffe ja auf ganz viele Lebensweisheiten die uns am Kosmos umher schwören.
00:02:08: Dass
00:02:10: der Tod einfach zum Leben dazu gehört.
00:02:13: Ich habe mich gerade gefragt, aus welchen Gründen das für dich als hast du auch grade in der Einleitung gesagt als pflegende Angehörige Trotzdem ein Thema ist, wo du sehr ungeübt drin bist.
00:02:27: Und ich habe mich gerade gefragt, weshalb eigentlich?
00:02:32: Also wenn man ja da so in die Pflege hineingeht und ich kenne das jetzt halt aus Palliativpflege oder wenn ich zum Beispiel hab' ich gestern ganz viel über Sarah wieder nachgedacht.
00:02:46: Sarah ist ein kleines Mädchen, also klein ist sie gar nicht mehr aus Hamburg mit einer Kinderdemenzerkrankung Und da ist die Familie natürlich auch, wie ein zwanzig Sieben in der Pflege dabei.
00:02:56: Der Tod ist da immer wieder sehr präsent und Sarah sagt auch immer so was wie ... Ja wenn ich dann im Himmel bin, kann ich ja wieder sehen weil das kann sie halt nicht mehr.
00:03:05: aufgrund ihrer Erkrankung hat sich die Augenlicht verloren.
00:03:08: Ich hab mich gerade in dem Punkt gefragt als du das so angeschnitten hast.
00:03:11: in der Einleitung denkt man gar nicht drüber nach?
00:03:15: Also ohne Wertung einfach nur so war es eine offene Frage.
00:03:21: dass wir natürlich irgendwie cool mit so eine Community hätten und ich die Frage gerade weiterleiten kann.
00:03:27: Ich kann dir vielleicht sagen, wie es bei mir war ... Meine Mama hatte ja lange Alzheimer.
00:03:33: Ich hab da nicht wirklich drüber nachgedacht.
00:03:35: Ich wollte auch nicht drüber danken, dass sie stirbt.
00:03:37: Und selbst als die Krankheit wirklich fortgeschritten war und die Mama viel geschlafen hat, die Augen viel zuhatte, er soll darüber nachdenken, dass sich irgendwann nicht mehr ist, dass ihr stirbt, dass Sie wirklich ... gehen könnte, das habe ich nicht.
00:03:53: Wir haben da auch in der Familie eigentlich nicht drüber gesprochen und als meine Mama dann gestorben ist war es für mich so ein schon richtiger Schockmoment.
00:04:02: Ich hab gedacht kann doch nicht sein!
00:04:04: Es ist vielleicht sehr widersinnig weil man denkt eine Person einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung ist irgendwie klar, dass die vielleicht bald sterben wird.
00:04:15: Aber ich kannte auch Berichte von Leuten, die gesagt haben ja also ihre Angehörigen haben so noch Jahre gelebt im Heim und irgendwie habe ich das gehofft, dass meine Mama bleiben würde.
00:04:28: Für dich?
00:04:29: Ja für
00:04:29: mich.
00:04:31: Ich glaube vor allem für mich, obwohl sie wirkte eigentlich auch immer ganz zufrieden.
00:04:36: deswegen hatte ich nicht dieses Gefühl, dass sie Schmerzen hat und es ihr wehtut oder so.
00:04:41: Aber ich fand diese Vorstellung, die hab' ich mir nicht gemacht.
00:04:45: Die wollte ich auch nicht haben.
00:04:46: und ja vielleicht brauche ich deshalb immer noch so lange – das ist jetzt zweieinhalb Jahre her – um anzunehmen dass es ist wie's ist.
00:04:58: Ja... Ich habe irgendwie ein bisschen Gänzehaut gerade!
00:05:03: Ich kann da total mitfühlen, ich möchte mich damit nicht auseinandersetzen.
00:05:08: da nicht hinschauen, obwohl diese Erkrankung letztendlich auf dieser Ziel geraden ist zum Tod hin.
00:05:17: Und auch bei Sada mit der Kinderdämenserkrankungen ist das so, dass es einfach keine Medikamente gibt und dass der frühzeitige Tod bei ihr eintreten wird noch wahrscheinlich vor ihren Geschwistern und allem.
00:05:32: Jeder geht damit halt unterschiedlich um.
00:05:35: Manchmal ... Und das ist so meine Erfahrung, bringen die Sterben dann halt das Thema auch oft irgendwie mit rein.
00:05:41: oder also ich kenne jetzt die Familie und Sarah seit zehn Jahren.
00:05:44: Und Sarah ist schon jemanden, der das Thema ... Auch mit reinbringt, auch mit einer kindlichen Leichtigkeit aber natürlich manchmal mit einer Schwere.
00:05:55: Ich hab mich dann auch gefragt ob deine Mama da nie selbst von sich aus in dieses Thema gegangen ist?
00:06:03: Weil ich überleg gerade, weil so.
00:06:06: Ich hab mit sechs Jahren angefangen gemacht, Altenheim mich zu engagieren.
00:06:10: So neben der Schule wollte ich eigentlich erst mal nur ein bisschen Geld verdienen und dann gemerkt war diesen Job kann man gar nicht machen für vier Euro in der Stunde.
00:06:18: Und da diese Menschen zu begleiten und vor allem so das ... Ich war halt einfach für das Essen zuständig um das irgendwie auszuliefern und den einzugeben und so.
00:06:26: Da waren natürlich auch sehr viele Demenzpatienten dran.
00:06:31: Die waren halt, würde ich sagen schon auch in einer anderen Welt.
00:06:34: Und wie ist das für eine Sechzehnjährige dann auf einmal mit so schwer klangenden Menschen in Kontakt zu kommen?
00:06:40: Ja, wie war es für dich?
00:06:41: Kannst du dich da dran erinnern?
00:06:43: Ich kann mich an total viele Situationen noch aus dieser Zeit erinnernen.
00:06:47: Wunderschöne und sehr schreckliche.
00:06:49: Und irgendwie war beides so da!
00:06:51: Das geht mir beim Leben und beim Tod auch.
00:06:54: Irgendwie ist beides immer da.
00:06:56: Wir nehmen den Tod als ... Schlimmste und schrecklichste, diese große schwarze Wolke.
00:07:03: Aber manchmal ist das Leben auch einfach schrecklig!
00:07:05: Und es darf auch anerkannt werden, weil ich glaube der Prozess von deiner Mama und dir und dem ganzen Familiensystem, dass diesen Stero-Prozess getragen hat... Das war ja auch mitten im Leben aber es war bestimmt nicht immer leicht.
00:07:18: Manchmal richtig beschissen könnte ich mir vorstellen.
00:07:23: Ja, zur Pringses auf den Punkt.
00:07:26: Also zwölf Jahre Demenzerkrankung, auch einfach ein langer, langer Weg.
00:07:33: Mein Papa, der sich vor allem um den Mama gekümmert hat, also sich heute so hat extrem viel Kraft gelassen.
00:07:41: ich glaube... Man hält ja sehr an der Person fest und ich glaube das unterscheidet vielleicht auch nochmal Trauern oder eben auch eine Demenz-Erkrankung von anderen Erkrankungen die Person sich irgendwie davor schon so ein bisschen verabschiedet oder man sich auch total davon verabscheiden muss, was man für eine Beziehung zueinander hat.
00:08:05: Und trotzdem ist sie noch da und trotzdem hofft man irgendwie... Ich weiß nicht.
00:08:11: ich habe das Gefühl wir hatten ganz lange auf meinem Papa diese Hoffnung vielleicht wird alles wieder gut nach dem Motto.
00:08:19: Ja, ich glaube und dass es auch dieser einen Anteil in einem der ja so unser Störber ist bis zu einem gewissen Punkt vielleicht, wo es an so einem Knackpunkt ist.
00:08:28: Wo man dann merkt okay das wird jetzt doch irgendwie nicht mehr gut.
00:08:31: und gleichzeitig finde ich auch also diese Hoffnung zu haben und mit sich zu tragen die kann ja auch total viel bewegen uns verändern.
00:08:39: Also die führt dir dazu, dass du immer wieder aufstehst und dich um deine Mama kümmerst.
00:08:45: Und den Tag irgendwie schaffst weil du hoffst und glaubst in der Zuversicht bist anstatt im Zweifel.
00:08:51: Dann gibt es aber trotzdem halt auch den Gegenpolen.
00:08:53: Ich glaube das braucht halt immer auch beide Seiten.
00:08:57: Im besten Falle schafft man es aus so einer neutralen Mitte heraus zu agieren und zu fühlen.
00:09:02: und eine große Lehrerin.
00:09:06: Ein Vorbild, ja von mir die hat immer gesagt.
00:09:11: Wenn das eine halt erwächst, erwächst das andere auch als kommt drauf an welcher Seite wir uns zuwenden.
00:09:18: und ich finde diese Perspektive auf das Leben also mit diesem Satz im Hinterkopf so wertvoll weiß es mir immer wieder die Möglichkeit gibt mich irgendwie neu auszurichten sich neu einer seite zu wenden auch damit zu gehen und okay zu sein, wenn Gefühle oder Situationen hoch kommen die halt sehr schwer zu tragen sind.
00:09:46: Aber weil ich auch weiß dass es halt auch die andere Seite gibt.
00:09:51: Und ich glaube das ist das was mir damals im Pflegeheim schon so früh begegnet ist, dass da wunderschöne Momente waren mit älteren Menschen die meine dann immer frische Erdbeeren hingestellt haben oder Schokolade und dann war das immer so ein Aufhänger miteinander ins Gespräch zu kommen.
00:10:08: Und es waren halt wirklich so Omis, also ich hab' die eine Omie der auch noch auf ihrem Sofa da sitzen wie sie mir mich auch so verschimmelte Erdbenen hingestellt hat und sich so gefreut hat und sie hat's aber nicht gesehen, dass sie schon verschimmelt sind und mich was auffangen hat!
00:10:21: Dann haben wir halt so gesprochen und...und das war halt so Vor allem weil ich hätte natürlich ihre Enkeltochter oder noch eine kleine Ration weiter sein können.
00:10:31: Also das war schon wild und gleichzeitig habe auch eine sehr stark semente Frau auf der Station gehabt, die manchmal zuckersüß war und am nächsten Tag war sie einfach böse und hat mich angeschrien und beschimpft Und ich wusste gar nicht so, weil gestern war die doch voll nett.
00:10:56: Ich wusste damit auch gar nicht umzugehen.
00:10:57: Aber irgendwie diese Gleichzeitigkeit von vielen hat mir das geholfen, weil ich gesehen hab, aber dieser Mensch ist ja noch viel mehr.
00:11:09: und gleichzeitig zu bemerken, wie du es gerade gesagt hast ... Die Menschen verabschieden sich langsam in der Erkrankung.
00:11:21: Das, was ich ja damals so intuitiv gemacht habe.
00:11:23: Weil ich hab damals mal einfach Abi gemacht im Bereich Gestaltung Ich hab das halt nebenbei gemacht keine Ausbildung gerade zur Altenpflegerin oder so Sondern.
00:11:31: ich habe das halt intuitiv Bin da reingegangen und hab gemerkt Was für ein Unterschied das macht wenn ich den Menschen wirklich auf Augenhöhe in ihrer Welt begegne.
00:11:41: Also es gab auch eine Eine Frau dort die ist immer mit ihrem Stoffhund Haski rumgelaufen Und war halt der festen Überzeugung auch, dass er lebendig ist.
00:11:52: Immer wenn sie den füttern wollte, dann gab es Stress von dem Pflegerinnen und ich hab sie jetzt nicht so bekräftig dem Hund diesen Stoffe und Tomaten schnauzt zu schmieren aber... Ich war halt einfach so.
00:12:06: ja okay!
00:12:07: Also wenn du meinst, der braucht was zu essen, then let's go!
00:12:13: Ja, ich war der Sechzehn.
00:12:14: Ich wusste nicht.
00:12:15: Aber irgendwie hatte ich einfach das Gefühl... Das macht es jetzt nicht besser wenn ich ihr das jetzt abspreche oder wenn ich da ihr nicht in ihrer Welt auf ihre Augenhöhe begegne?
00:12:25: Ja!
00:12:27: Da sprichst du was total Wichtiges an wie man als Angehöriger und das ist glaube ich für... fast alle ein Weg zu akzeptieren, dass es diese unterschiedliche Welten gibt.
00:12:39: Dass man mit quasi weiß ich nicht unseren Regeln oder so mit diesem das macht man nicht, das sagt man nicht oder das ist doch so Konventionen da oft eigentlich gerade so miteinander vieles schwieriger macht stattzuakzeptieren.
00:12:56: die Person ist in ihrer Welt und da ist ja alles richtig.
00:13:00: Ja total!
00:13:02: Und sich auch die Frage zu stellen, welche Welt ist eigentlich die Richtige?
00:13:07: Ist das wirklich unsere, die wir uns so geschaffen haben.
00:13:10: Weil wir geprägt und sozialisiert sind und weil das halt alles so sein soll?
00:13:14: oder gibt es eigentlich mehrere, was parallel läuft?
00:13:20: Also welcher Weltwende ich mich manchmal vielleicht immer wieder bewusst zu?
00:13:25: Wenn ich damit auch in Resonanz gehe kann es ja auch sein dass ich etwas eintauche was mir vorher nicht möglich war zu sehen oder zu fühlen.
00:13:35: Das merke ich jedes Mal, wenn ich bei Sarah bin.
00:13:38: und das letzte mal, da saßen wir hier zusammen auf dem Sofa und haben Topmodel Bücher und Topmodell Sticker so irgendwie beklebt und dann hat sie sich halt immer sehr an mich gekuschelt.
00:13:49: und dieses körperliche, diese Nähe, dieses Streicheln und Kuscheln und Küsschen hier und Küßchen da Also in meiner Welt jetzt, also nicht so intensiv.
00:14:03: Und sie als neunzehnjähriger mit dieser Kinder-Demonserkrankung ist halt auch eine andere Welt.
00:14:09: und dann bin ich aber halt auch so... In der ganzen Zeit habe ich oft eher das Gefühl gehabt, vor allem in der Anfangszeit sah er mich an die Hand genommen hat als ich sie.
00:14:20: Wer begleitet hier wehen?
00:14:21: Wer hält hier
00:14:22: wehnen?!
00:14:23: Am Ende des Tages sind das nicht manchmal auch die Menschen mit so einer Erkrankung, aber die Angehörigen.
00:14:29: Das Familiensystem auch mithalten und stützen und wir denken aber ich geh doch da so viel Kraft rein und ... Ich mach doch soviel ja auf jeden Fall und gleichzeitig glaube ich sind die Menschen, die so krank sind in der anderen Welt auch Stütze oder irgendwie da und geben bloß ganz anders.
00:14:54: Ja, ist das irgendwie nachvollziehbar?
00:14:55: Das ist total
00:14:56: nachvollzieber!
00:14:58: Also für mich ist es total nach vollziehbar weil nach außen hin meine Mama konnte nichts mehr könnte man so sagen, ne?
00:15:09: Sass da und brauchte Hilfe und Unterstützung.
00:15:11: aber gleichzeitig war sie da.
00:15:14: Und ich kann mich noch daran erinnern dass ich also es gab so eine Szene Man muss ja dann hunderttausend Dinge machen in so einem Haushalt, damit alles funktioniert und den Papa unterstützt.
00:15:26: Und das klären und dies machen... ...und ist irgendwie die ganze Zeit in so nem Orga-Modus also gerade als Angehörige Dinge zu besprechen, Dinge zu organisieren, schauen ob alles funktioniert.
00:15:36: Dann macht man sich irgendwie Sorgen weil man nicht dauernd da ist.
00:15:39: und wie wird es weitergehen?
00:15:42: Ich kann mich erinnern dass ich mich neben meine Mama gesessen habe So wie sie da saß, aufrecht.
00:15:49: Auf der Couch Augen zu aber total friedlich und ich saß da und ich habe kurz überlegt okay was vielleicht?
00:15:55: was mache ich jetzt noch mit ihr?
00:15:56: Vielleicht gehen wir nach Spazieren, vielleicht motiviere ich es ein bisschen, vielleicht machen wir dies und das und ich war mir selber so kaputt.
00:16:01: und dann saß ich einfach nur da und Ich hab gedacht Boah also was für eine Ruhe, was für einen Ruhemoment den ich gerade hier erleben kann durch Meine Mama in dieser Krankheit, ich weiß nicht ob wir ihn so auch erlebt hätten.
00:16:21: Hätte sie keine als er mal Erkrankung gehabt.
00:16:25: Da hätte mich sicher andere Momente erlebt.
00:16:27: aber das war so ein Punkt wo ich dachte ja Wir gehen schon oft falsch mit Demenzerkrankungen um und ich könnte mir vorstellen dass es auch eine Erfahrung die du häufig machst also wir haben Vorteile oder ist davon schon gesagt dieses Thema sterben trot sowas alle schlimmste Aber vielleicht ist es das ja gar nicht, sondern gehört zum Leben dazu.
00:16:51: Ja voll und ich würde auch gerne noch mal sagen so Ich glaube nicht dass wir da viel falsch machen weil ich glaube schon eine Vorannahme das sich sagen würde Wir handeln halt aus dem besten Möglichkeiten und Ressourcen heraus die wir gerade jetzt im Moment zur Verfügung haben Und ich glaube wir agieren aber total oft auch aus einer Hilflosigkeit, Unsicherheit.
00:17:10: Wir sind halt jetzt dieser Erkrankung diesen Menschen einfach auch so nah.
00:17:13: Wir haben es nicht den nötigen Abstand, den wir vielleicht auch brauchen würden manchmal oder gerne hätten und wir sind oft halt auch nicht so aufgeklärt weil wir das Thema halt soweit wegschieben.
00:17:25: Und diese Gewissheit aber die wir alle haben Es ereilt uns jeden und also jeder wird sterben Jeder ist irgendwann bald dann tot was für eine Erkrankung Oder Auch Nicht Das ist jetzt immer so gänzlich offen, aber dass der Tod uns alle eraltt.
00:17:41: Ist einfach die Gewissheit so schlechthin und ich glaube da halt mehr zu investieren in uns selbst und in unser Familiensystem oder überhaupt in das System, in dem wir leben und dass wir dann sagen okay, ich investiere halt jetzt Zeit, da rein mich damit auseinanderzusetzen und es auch ein Investment in Milch wie ich da in solchen Situationen vielleicht dann aufgestellt bin und wie ich dann vielleicht auch anders mit umgehen kann, weil ich mir mehr Wissen angeeignet habe.
00:18:17: Und vielleicht auch mal... Also aus Pizza bieten ja zum Beispiel total oft einfach mal so Führungen an alle Zeitmal.
00:18:25: Man muss hier nicht gleich zum Auspizbegleiter oder zu Auspitzbegleitenden ausbilden lassen als Notfallsanitäterin arbeiten.
00:18:32: Man kann auch einfach mal sagen, okay, ich schaue mir mal einfach ein Hospiz an und dann stelle ich da Fragen und bin interessiert durch geht so eine Bestattungsinstitut und frag, oh cool!
00:18:41: Kann ich mich mal in den Sack legen?
00:18:44: Und das sind ja alles so Möglichkeiten auch im praktischen Leben sich dem Thema mal anzunehren oder einfach sich ein gutes Setting zu schaffen bei einem Glas Rotwein oder bei einem Kaffee und zu sagen Ja heute würde ich einfach gerne mal über wirkliche Beerdigungsformen reden oder ob ich eine Urnenbestattung möchte.
00:19:06: Und wenn das passt in meinem Podcast dann auch immer so, ja, ich hätte voll gerne so ne rote Samturne und dann lachen die Leute und sagen, ach Span, die hat darüber mich noch keine Gedanken gemacht.
00:19:18: Ich sehe, für mich stimmt es schon eine ganze Weile fest und irgendwie finden sie Leute lustig und gleichzeitig ist es halt eigentlich gar nicht lustig.
00:19:28: Aber wichtig.
00:19:29: Und man kann dem ja auch mit einer Leichtigkeit schon begegnen, bevor überhaupt solche Situationen vielleicht eintreten wobei man das Leben natürlich auch nie plan oder kontrollieren kann.
00:19:40: ich meine die Demenzerkrankung von deiner Mutter das war ja auch nicht klar dass das jetzt so passiert und eintritt.
00:19:47: deswegen man kann sich darauf nicht vorbereiten.
00:19:49: aber ich glaube man kann dass schon so ein bisschen lenken inwieweit, also das einem halt nicht im Boden unter den Füßen wegzieht sondern, dass man sich halt schon einfach mal damit auseinandergesetzt hat.
00:20:02: Dass es verschiedene Erkrankungen gibt, dass es aber auch Möglichkeiten der Begleitung gibt.
00:20:07: Zum Beispiel oft werde ich auch gefragt ja wie kann ich denn Sterbe begleiteren werden?
00:20:13: oder wo finde ich denn da Informationen?
00:20:15: Und ich meine, wir leben jetzt in der Welt.
00:20:17: Da ist jetzt KI so im Vormarsch und man fragt alles die KI oder Google?
00:20:21: Ja!
00:20:21: Und da ist aber dann so eine Hemmschwelle.
00:20:24: Da hast du eine große Unsicherheit und da braucht es dann so ne menschliche Expertin, die dann sagt ja Google das doch mal.
00:20:30: Oder schau doch mal bei deinem... Also Google doch einfach mal auch was Peats weiß ich nicht Berlin So und dann wird richtig viel kommen.
00:20:39: Aber das schaffen manchmal die Menschen nicht.
00:20:40: und als brauchen sie nochmal so jemanden an ihrer Seite, der sagt Let's go!
00:20:46: Du, wann fängt man denn an sich damit zu beschäftigen?
00:20:49: Also gibt es irgendwie so ein Momentum oder was wo du sagen würdest.
00:20:55: Also das wäre irgendwie jetzt wirklich mal an der Zeit oder sprecht doch mal drüber.
00:21:03: Also für mich ist er total ein Lebensthema.
00:21:06: deswegen würde ich nicht sagen ah also mit zwei in fünfzig würde ich jetzt anfangen.
00:21:15: Also die Sache ist ja, das hatte ich gestern auch in der Besprechung dass ja so viele Kinder und Jugendliche auch entweder direkt oder indirekt über den Tod eines Geschwisterkindes oder so damit konfrontiert wurden.
00:21:29: Und die haben das ja nicht auf der Stirn geschrieben.
00:21:32: Das heißt es gibt so viele kinder- und jugendliche, die schon sehr sehr früh mit extremen Ausnahmesituationen konfrontieren wurden.
00:21:44: Krass.
00:21:44: Und würde ich jetzt mal sagen, weil die ja schon in einem sehr, sehr jungen Alter oft die Erziehungsberechtigten so ein bisschen ausfragen wie das mit dem Tod ist und so wenn sie dann irgendwie einen Regenwurm finden oder einen toten Vogel oder irgendein Mäuschen oder so.
00:22:00: Da habe ich zum Beispiel eine total schöne Geschichte, Jetzt im Allgäu, da hab ich das ja gewohnt und war jetzt noch mal zu Besuch da.
00:22:08: Ich wollte gerade einfach eine Runde spazieren gehen und hatte mich mit einer Bekannten zum Telefonieren verabredet so.
00:22:13: Und dann auf die Straße entlang und sehe so zwei kleine Mädchen und Mutter Oma unten Fahrrad und nämlich so stehen geblieben weil ich die von letztem ja so ganz ganz sehr lose wirklich kannte.
00:22:25: Dann ist es Ja wir lernen Fahrrad fahren aber darüber dass so ein Tier so ein Tod ist irgendwie eklig meinten die Mädchen wirklich klein, also die zwei und vier oder so.
00:22:38: Also voll ekelig und das stinkt und so und ich so okay... Ich bin ja dann immer so voll... Wow!
00:22:44: Was passiert hier?
00:22:46: Und da bin ich gleich hin.
00:22:47: Oh mein Gott es ist ein toter Maulwurz!
00:22:49: Oh nein!
00:22:51: Ja und dann waren die Mädchen halt wirklich so, oh das ist voll ekelig nicht sowieso findet ihr das denn eklig?
00:22:56: Dann kamen die Mutter und meinte auch, ja das war voll eklig.
00:22:58: Also war klar für mich die Kinder hätten nicht gesagt, dass das eklig ist.
00:23:02: Die werden einfach noch fasziniert davon gewesen.
00:23:04: aber weil die Mutter gesagt hat, dass es eklig, da geht ihr mal besser nicht hin.
00:23:07: Nicht, dass dies irgendwie giftig ist und dieser Mythos ist irgendwie immer noch so tote Menschen, tote Tiere sind jetzt nicht irgendwie sofort giftig wenn du die anlangst und dann hast du selber irgendwie bis zu vergiftet.
00:23:17: Das ist ja Unsinn auch!
00:23:20: Und... Dass das halt sozusagen so weitergegeben wurde dieses Wording einfach und ich war dann so fasziniert und hab dann gemerkt dass die Mädchen da auch so ein Interesse haben.
00:23:29: Dann hab ich gefragt, was haltet ihr denn davon?
00:23:31: Wenn wir diesen Maulwurst jetzt beerdigen werden mit dem kleinen Löchlein hier graben unter einem Baum und dann bemalen wir Steine und legen das auf das Grab.
00:23:41: So habt ihr Bock drauf!
00:23:42: Und die haben so gejubelt... Das kannst du dir gar nicht vorstellen.
00:23:45: Und dann haben wir das in einer richtig großen Aktion gemacht und dann wollte die ältere Mädchen unbedingt noch eine Rede halten Und dann hat sie gesagt, lieber Maulwurf.
00:24:01: Das Leben ist schön und hat mich so richtig freudestrallend angeschaut.
00:24:07: Dann habe ich auch gedacht, ja genau, mein Liebemaulwurf der ist jetzt tot und liegt unter der Erde.
00:24:13: aber das Leben ist Schön Ja und deswegen finde ich es ist einfach ein Thema fürs Leben und deswegen glaube ich kann man da nicht früh genug mit anfangen auf ganz unterschiedliche Wege, sich damit auseinanderzusetzen.
00:24:30: Und es gibt ja so viel Literatur dazu und wenn man eben mal ein totes Tier findet dann mit seinen Kindern zusammen.
00:24:36: da ist eine kleine Mini-Beerdigungsfeier zu organisieren.
00:24:41: Ich war noch ein paar Mal dort und immer hieß es so komm lass uns zum Maulwurf gehen!
00:24:46: Lass uns mit dem Zeitverbringung noch ne richtig gute Zeit haben.
00:24:50: und dann wollten das Grab noch irgendwie weiter aufpimpen Und haben irgendwie auf so ein See war, dann noch so Herzen gemalt und dahin.
00:24:58: Die Leute haben es aber auch einfach zugelassen.
00:25:00: also es war so ein öffentlicher Platz nämlich bei dem Garten.
00:25:03: Und die Leute haben das einfach gelassen und waren so ein bisschen irritiert davon weil die zwei kleinen Mädels allen erzählt haben da liegt der tote Malwurf wir haben den da begraben und die Leute waren so komisch Aber die fanden's halt so cool und haben sich davon gar nicht abbringen lassen.
00:25:21: Die Mutter hat mir dann auch erzählt, dass wir am nächsten Tag im Kindergarten richtig großes Thema und beim Einschlafen auch.
00:25:27: Und ja also das wirkt irgendwie so nach und ich habe das Gefühl... Dass es irgendwie logisch ist, dass es mich auch wieder begegnet ist.
00:25:36: Also solche Situationen passieren wir ständig!
00:25:39: Ich weiß nicht ob ich das magisch anziehe oder einfach Bock drauf habe und sowas bemerke und nicht... Also ich gehe halt nicht weiter sondern ich bleibe entstehen und guck.
00:25:48: aber was könnte man denn da jetzt machen?
00:25:51: Vielleicht ist das seine Mischung aus beiden.
00:25:53: Ja!
00:25:54: Und es klingt auch total so, wie dass das Leben schon noch intensive ist.
00:25:59: oder ich weiß nicht, wird das Leben intensiver durch den Tod?
00:26:04: Oder dadurch, dass es eben diese Gewissheit gibt, dass wir sterben werden?
00:26:10: Ich habe schon oft das Gefühl, dass mein Leben relativ intensiv ist ja... ...durch die Begleitungen und dadurch, schon mein halbes Leben lang irgendwie sterbende Menschen begleite und mir das natürlich eine ganz andere Perspektive auch auf das Leben gegeben hat.
00:26:25: Und ich, ich auch gemerkt habe, dass es egal ist wie all die Menschen sind denen nicht begegnet.
00:26:30: Ich hab so viele Freundinnen, die sind fünfzig plus diesen Sechzig, die eine Freundin damals, die vor ein paar Jahren neunzig geworden.
00:26:39: Und würde schon sagen, das sind Freundschaften.
00:26:42: Genauso gut kann ich auch mit viel jüngeren Menschen befreundet sein, weil Alter irgendwie nicht so aussagekräftig ist und oft ist es aber so, dass gleichaltige Bekannte dann irritiert darauf reagieren.
00:26:58: Ich weiß noch eine hat mal zu mir gesagt hey wie kannst du dich denn mit denen unterhalten über was über was redest du denn?
00:27:04: Mit denen ich wüsste das gar nicht habe mich auch gesagt aber manchmal kannst du auch mit Gleichaltigen nicht reden weil du nicht auf einer Wellenlänge bist und es hat doch damit nix zu tun Und ich merke halt einfach, dass sich mich mehr und mehr aus diesen engen Schubladendenken herausentwickeln seitdem ich das mache.
00:27:23: Ja,
00:27:24: macht es dich freier?
00:27:27: Also da kann ich ja auch nur so von mir reden... Ich hab schon das Gefühl, dass es mich freier macht.
00:27:33: Ich wusste jetzt nicht wie's anders wäre aber also ich arbeite ja auch frei beruflich und mir ist diese Freiheit schon auch wichtig!
00:27:41: Nicht umsonst heißt es ja frei berufenlich irgendwie so Ich brauche das auch, diese Weite und für mich so entscheiden zu können.
00:27:53: Und den nachzugehen was gerade in mein Leben geflattert kommt.
00:27:58: So, ich glaube schon dass das etwas ist, was mir die Sterben dann vielleicht nicht ganz direkt aber so unbewusst irgendwie mitgegeben haben, sei offen... Weil ich hab so ein ganz tolles Kommunikationstraining gemacht.
00:28:13: Und der Typ, der ist gewartet auch gesagt ja wenn du halt immer nur so mit so einem Blick rumläufst und so ganz eng dann siehst du da das ein Fleck!
00:28:23: Dann hat er sich wirklich auf den Boden fallen lassen mit seinen beiden Händen als Fernrohrn hat er durchgeschaut und nur so dieses Daß-ein-Fleck-Daß-Ein-fleck.
00:28:31: Ja und wie kriegst Du denn jemanden der nur diesen Fleck sieht?
00:28:35: Wie kriegste denen raus in eine Weite... Weitwinkel-Objektiv, dass er so die Welt anschaut.
00:28:40: Weil ich merke das schon manchmal gehe ich raus und bin so eng mit meinem Blick Und dann checke ich das... ...und geh raus und macht mich irgendwie soweit.
00:28:49: Ich glaube es ist auch einfach so eine Einstellungsfrage und auf einmal Begege klingelt mir was ganz anderes.
00:28:55: Zum Beispiel gerade vor unserem Gespräch vielleicht noch spazieren und war auch ein bisschen so okay.
00:28:59: Dann ist noch das und das und dann ist mir auf einmal ne Frau entgegengekommen mit einem kleinen Hund und so einer Chilipflanze in der Hand.
00:29:08: Und sie hat mich so voll freudig angelächelt, ich habe zurückgelächelt und meinte, das ist auch voll cool!
00:29:13: Weil da hingen ganz viele Chillies an dieser Pflanze und sie sich ja voll cool magst du die haben?
00:29:18: Du hast sie doch gerade gefunden und sie so, ah ja stimmt genau.
00:29:22: Ja aber magst du vielleicht eine haben?
00:29:24: Kannst du die
00:29:24: einpflanzen?".
00:29:25: Und dann meinte ich, ja... Ich hab mir dachte, da passt das hier ganz gut!
00:29:28: Und in der Zwischenzeit hat sich diese kleine Hündin, die so rumgetingelt ist auf einmal rechts neben mich gestellt und mich von unten so ganz neugierig angeschaut.
00:29:37: Dann habe ich auch so was für ein schöner Moment.
00:29:39: Der wär mir nicht passiert wenn ich in diesem, oh da ist ein Fleck, in diesen Blick geblieben wäre, weißt du so?
00:29:46: Und ich glaube schon dass ich das immer mehr mit den Jahren so gelernt habe, rauszugehen aus dem wie wir gesellschaftlich funktionieren soll und was wir leisten müssen.
00:29:59: Das fängt dir dann auch schon in der Schule einfach an geht weiter im Studium oder so.
00:30:03: und ja sich da also das zu checken und sich da so herauszuentwickeln dass es um viel mehr geht.
00:30:09: und ich weiß ja noch als ich auf die Palli gegangen bin mit zwanzig Ja, andere von meinen Kommilitonen waren halt auf Partys oder haben halt gelernt.
00:30:18: Oder so.
00:30:19: und ich wollte aber zu den Sterben dann...
00:30:24: Ist das dieser Blick, den wir brauchen?
00:30:26: Also diesen weiteren Blick gerade auch sage ich mal als Angehörige von Menschen mit Demenz als jemand der vielleicht jemanden begleitet beim Sterben.
00:30:35: für mich kringt es grad nach sehr viel Zutrauen und nach Hoffnung in etwas, in dem es eigentlich so gesehen medizinisch ja keine Hoffnung gibt.
00:30:47: Und trotzdem hat das was total versöhnliches.
00:30:50: Genau ich frag mich, bräuchten wir alle mehr von diesem freien Blick um Menschen auch gut zu begleiten?
00:30:58: Ich glaube diesen freien Blick oder dieses Freie haben wir schon in uns.
00:31:02: Ich glaube es wurde nur überall die Jahre zugeschüttet von so vielen Erwartungen Und vorurteilen und den Prägungen, die wir mitbringen aus unserer Kindheit.
00:31:12: Die Frage ist so kann ich das?
00:31:14: Also die Frage an mich so ... Kann nicht das und traue ich mir das auch selber zu diesen freien Blick einzunehmen weil ich glaube wenn der einem so gänzlich fremd ist dann ist das auch gar nicht so leicht, aus dem was man sich antrainiert hat wieder rauszukommen.
00:31:28: Meine Chigong-Lehrerin sagt immer wenn wir neue Übungen lernen, lernt sie lieber am Anfang richtig weil wenn ihr sie falsch gelernt habt dauert es viel viel länger das wieder umzulernen.
00:31:38: und ich glaube dass auch so ein Ding wenn du halt irgendwelche Muster natürlich die musste ja auch erstmal verstehen und auch so dieses freie weite Offen das muss man auch üben.
00:31:48: und wenn man das aber jahrelang anders sich antrainiert hat auch aus einer damaligen Schutzfunktion heraus, weil man sich so halt dann dadurch geschützt hat im Leben.
00:31:58: Was man vielleicht jetzt nicht mehr braucht, aber man lebt es trotzdem so weiter.
00:32:02: Ja damit brauchst du erst die Selbstreflexion und dieses ständige Üben mit sich irgendwie in Verbindung gehen, dass man checkt ah nee und jetzt werde ich wieder... Jetzt gehe ich wieder auf!
00:32:13: Und ich glaube die Frage ist ja will man das auch?
00:32:15: Also will man das auch für sich und auch für ... Für das System, für die Person, die da gerade erkrankt ist.
00:32:24: So kann ich das.
00:32:25: Ich glaub, es ist ja immer dieses Wechselspiel auch.
00:32:28: Und ich fand diese Situation mit deiner Mama irgendwie so schön, weil sie auf einer körpersprachlichen Ebene passiert ist und nicht auf eine, wo viel geredet wurde.
00:32:40: Und... Ich finde auch ... dass wir so viel einfach im Kopf sind.
00:32:46: Und wenn wir versuchen, mehr in den Körper zu gehen und zu hören was der uns sagt sowie in dieser Situation eigentlich was deine Mama dir dann sozusagen mitgegeben hat Dass das eine enorme Dichte In sich trägt
00:33:02: Ja
00:33:04: Ich
00:33:05: würde gerne noch über ein was mit Dir sprechen.
00:33:08: Das habe ich auch im Buch gelesen und ich fand es total schön und ich glaube da ist Sterben.
00:33:14: Er ähnelt so ein bisschen diesen Thema Demenz.
00:33:17: Oder auch wenn man die Diagnose bekommt, herrscht der immer noch oft dieses Vorteil oder wird ihm gerne auch mal gesagt naja es ist halt diese Krankheit da kann man ja nichts machen und ja man stirbt halt.
00:33:31: Ja!
00:33:32: So Punkt Und mich hat das sehr berührt als ich in deinem Buch mehr vom Leben als ich lesen habe wie man Menschen unterstützen kann diese allerletzten Phase, also was man Gutes tun kann oder was man für die Person tun kann und was gar nicht so viel eigentlich braucht.
00:33:55: Ja!
00:33:56: Und genau magst du da nochmal von erzählen?
00:33:58: Also was das für Dinge sind und dass es einfach.
00:34:02: ich habe auch daraus mitgenommen, dass man auch selber als Angehörige oder als Begleitperson für sich selber dadurch ganz viel mitnimmt oder weil man etwas tun kann.
00:34:15: Ja und ich glaube genau, man geht raus aus dieser Hilflosigkeit.
00:34:19: Ich kann da jetzt ja gerade gar nichts tun.
00:34:21: Genau das stimmt.
00:34:22: es ist irgendwie du bist mit der Diagnose, wirst du irgendwie meistens doch überrumpelt auch wenn man's geahnt hat.
00:34:29: Genauso wie die Person stirbt.
00:34:31: Man fühlt sich total ohnmächtig bis wir erhellen weil... Das ist nun mal da.
00:34:36: und was macht man unten?
00:34:38: Ja
00:34:39: voll!
00:34:39: Und ich glaube da kommt noch einmal drauf an.
00:34:42: Also wo passiert das auch gerade?
00:34:45: Auf einer Palliativstation, da ist der Pflegeschüsseln anderer.
00:34:49: Da sind oft irgendwie die Pflegekräfte, Ärztinnen oder so, die dich da mehr in die Hand nehmen und ein Physiotherapeutin eher namentlicher wie ich.
00:34:58: Oder ich weiß gar nicht Kunsttherapeutinnen, Gesangmusik.
00:35:03: Da geht ja auch total viel.
00:35:04: Man wird das schon an die Hand genommen bei Palliative... Das kommt ja von Pallium, also mit einem Mantel umhüllen und auch eben alle.
00:35:13: Und nicht nur die erkrankte Person.
00:35:17: Die Brücke gerade noch mal zu diesem... Man kann gar nichts tun.
00:35:22: oder man denkt, ich glaube viele denken so sie müssen ganz viel jetzt tun weil wir so geprägt sind.
00:35:28: Ich muss immer viel tun und nur wenn ich viel tue dann gibt es da eine Besserung?
00:35:34: oder hat das auch einen Wert?
00:35:37: Und diese Langsamkeit zu nehmen als ein Geschenk, weil das jetzt gerade mehr ist.
00:35:45: Als viel also weniger mehr so.
00:35:48: und ich glaube da kommt voll viele Menschen und dass habe ich auch selber halt ganz oft erfahren in den Begleitungen ins Straucheln, weil sie halt viel tun möchten aber merken Das geht ja irgendwie gar nicht oder ich wusste es ja auch gar nicht was in diese Langsamkeit fast schon gezwungen werden, innezuhalten.
00:36:09: Und wenn du aber auch inner hältst und in die Ruhe gehst oder in die Stille und zum Beispiel da sitzt an dem Bett von einer sterbenen Person dann kommen da zwangsläufig einfach heftige Sachen manchmal auch hoch.
00:36:26: Wenn wir immer in diesen ganz schnellen sind, können diese Sachen gar nicht hochkommen weil wir ja immer zu in Bewegung sind.
00:36:33: Und diese Stille braucht das auch, dass die kinesischen Medizin mit Yenon Yang und so auch das eine das andere ergänzt und was wir da aber tun können wenn wir dann auch mit uns selbst in Kontakt gekommen sind gesagt okay ich muss jetzt aber in dieser Langsamkeit es geht ja gar nicht anders.
00:36:50: Es fällt mir unfassbar schwer Aber ist das jetzt auch?
00:36:56: Man kann ja auch damit anderen Menschen drüber reden dass es da einfach die Möglichkeit gibt.
00:37:03: Also je nach Situation natürlich auch am Bett zu sitzen, was vorzulesen und was vorzusingen.
00:37:07: Ich weiß, meine Mama hat in meinem Opa damals dann einfach so Kirchen, die davor gesogen haben, ganz Alte.
00:37:14: Und das hat ihn total beruhigt weil er immer sehr unruhig war mit dem auch gebetet.
00:37:21: Da habe ich gemerkt diese Familiendynamik hat sich verändert.
00:37:24: Weil eigentlich bin ich ja irgendwie die Sterbebegleiterin schon seit Jahren hat aber im Sterbeprozess meines Opa's meine Mama das gemacht.
00:37:31: Und ich war einfach nur die Enkelin und hab gar nicht diese Rolle eingenommen, ich konnte sie auch nicht.
00:37:39: Das lag dann einfach klar bei meiner Mom.
00:37:43: Und es war auch gut so glaube ich.
00:37:46: Verständnis von Rollen, welche Rolle habe ich jetzt auch gerade?
00:37:49: Oder wie verändern sich auch Rollen dann in solchen Phasen die ja so dicht sind.
00:37:54: Also wir denken ja oder passiert ja gar nicht.
00:37:57: Ich sitze nur am Bett.
00:38:00: Aber das ist vielleicht wenn nicht sogar der dichteste und intensivste Moment im Leben.
00:38:04: Das sind heilige Räume einfach in die man da reingeht.
00:38:08: Und das kann man kaum beschreiben was da abgeht.
00:38:12: Man muss da selber spüren dass man fast weiß wovon ich da jetzt so rede, wenn ich sage das ist so dicht.
00:38:20: Da ist so viel drin und da liegt alles irgendwie vor dir Und was ich so erstaunlich finde und das sag' ich halt auch immer wieder is', dass das Ohr ja das letzte Syndusorganis doch seine Funktion einstellt und deswegen sage ich mal bitte redet mit den Sterbenden und auch mit den Toten.
00:38:35: und Ich habe so oft schon die Erfahrung eben gemacht Und am Anfang, als ich da auf die Palle gekommen bin, habe ich das einfach auch intuitiv gemacht ohne zu wissen, dass es so ist.
00:38:45: Dass ich noch Antworten bekommen habe.
00:38:47: also entweder halt wirklich noch werwahl was mich mega erstaunt hat oder halt andere körpersprachliche und dass das auch einfach etwas ist was man tun kann darüber zu reden in der Verbindung zu gehen.
00:39:04: Manche Menschen öffnen gerne zum Beispiel das Fenster wenn jemand verstorben ist, dass so die Seele raus kann.
00:39:11: Das ist ja auch so ... So ein Ding und wenn die Lippen zum Beispiel arg getrocknet sind oder der Mund dann gibt es einfach irgendwie die Möglichkeit z.B.
00:39:22: bei einem Gast im Hospiz habe ich das dann auch gemacht.
00:39:25: Er hat immer gerne Cola getrunken.
00:39:26: Dann haben wir ihn mit einem Spray halt Kohler auf seine Lippe gesprüht oder so.
00:39:31: Oder man kennt ja alles rein von Bier, Brotwein Genau, weil der Mundraum dann halt ja so trocken wird und die Menschen auch einfach nichts mehr trinken können.
00:39:40: Weil doch der Körper das nicht mehr braucht aber dass es halt nicht ausreißbar geschleimen heute so empfindlich sind.
00:39:46: was ich auch finde was eine ganz besondere Ebene reinbringt ist wenn man die Kinder mitbringt.
00:39:51: Das ist auch ganz wichtig hatte auch einmal ein Familienvater Der hat drei kleine Mädchen mit glaube ich sogar auch einer Glioblastom also bösartiger Gehirntumor Erkrankung.
00:40:02: der Typ war richtig doll tätowiert irgendwie auch erst Anfang vierzig vielleicht oder so und das war schon auch heftig.
00:40:14: Und dann waren da aber diese drei kleinen Mädchen und haben mit ihren Bauglötzen auf dem Boden gespielt, und es hatte auch was Normales in all diesen Unnormalen gerade.
00:40:30: Das sind wieder irgendwie dabei, dass man eigentlich ja auch die Kinder schützt.
00:40:34: Also ich bekomme auch voll oft so als Fragen wie kann ich denn jetzt meinem Kind erklären, das ein angehöriger Demenz hat und eigentlich möchte ich ja nicht, ich möchte sie schützen aber vielleicht wäre es schon mal an der Zeit, dass wir darüber sprechen und ich denke naja, die sind ja nicht doof!
00:40:49: Nee, die merken die ganze Zeit dass sich Dinge verändern.
00:40:52: Die kriegen
00:40:53: das schon die ganze zeit mit.
00:40:54: Die haben es halt nicht.
00:40:54: das Wort Art Das ist eine Demenzerkrankung.
00:40:57: aber die haben vielleicht sogar schon vor den Erwachsenen gecheckt dass da was sich verändert und ich glaube einfach den Kindern auch mehr zuzutrauen Die sind so weise, die checken so viel.
00:41:08: Ich meine sie sind so verbunden noch mit dem woher wir kommen genauso wie die Sterben denn und dass man die einfach zusammenbringt.
00:41:15: ich glaube das wäre das größte Geschenk einfach, dass dann die Erwachsene einfach mal rausschmeißen und ich glaube für... Das wäre dann für die Erwachsenen eher die dann oft ihr schon so.
00:41:27: also ja ist ja auch gar nicht also wertengemeint sondern wir werden ja auch Also so zubombatiert mit diesen ganzen gesellschaftlichen Konstrukten oder so.
00:41:38: Aber ich glaube, wir Erwachsene könnten so viel von den Kindern, von den Sterben und von den Demenz-Aktanten lernen.
00:41:45: Und das mal umzudrehen und nicht zu sagen, ich erkläre dir jetzt mal ein kleines Kind wie der Hase läuft sondern eigentlich sollte man das kleine Kind dem Erwachsenen erklären, wie eigentlich wirklich der Hose läuft.
00:41:59: dass es ganz wichtig ist, auf sich selber zu schauen und wie man eigentlich in der Situation drauf ist.
00:42:06: Wie man reagiert weil ich glaube also ich weiß von mir das da schon auch viel Angst einfach vor dem Tod vor dem Sterben da ist und das vielleicht auch einfach dazu gefüttert kann aber vielleicht war was bei uns allen.
00:42:20: Ich weiß jetzt nicht, wir haben es nicht so besprochen.
00:42:24: Aber diese Angst ist definitiv da gewesen dann natürlich irgendwie auch die Angst vor dieser Situation, wenn das gar so sein könnte.
00:42:32: Das hemmt ja irgendwie total damit gut umzugehen.
00:42:36: Ja und das merken aber ja die Kinder auch und es merken auch die Sterbenden Und so oft habe ich das erlebt dass die Sterben in so finalen Situation immer noch die starken waren, die sozusagen das gehalten haben oder für die Angehörigen, oder Zugehörigen.
00:42:55: Ich auch gerne sage, weil ich finde das noch mal auch nicht nur Familien mit ihnen reinnimmt, sondern eben auch Freundinnen und so Bekannte.
00:43:02: Aber ja klar, diese Angst, die es da und Kinder spüren, dass aber halt auch.
00:43:07: Und dann ist halt die nächste Frage natürlich wie gehe ich damit um?
00:43:10: Aber... ...ich gebe das dann sozusagen auch den Kindern weiter wenn ich nicht drüber rede.
00:43:16: also ich kann ja auch mit Kindern mich dann zusammensetzen sagen hey ich habe da jetzt gerade richtig große Angst Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
00:43:24: Ich bin mir sicher ohne eine konkrete Lösung zu haben, aber bei Kindern so unterschiedlich drauf reagieren.
00:43:33: werden die da also für so eine Ehrlichkeit dankbarer sein, weil sie ja dann immer denken, es könnte ja was mit mir zu tun haben.
00:43:40: Wenn sich die Person jetzt zurückzieht oder nicht mit mir redet, ah, dann liegt's vielleicht auch an mir wenn die Bindung auf einmal gerade nicht mehr sicher ist und Kinder brauchen ja diese Sicherheit in der Bindung Und ne Klarheit und kein Versteckstil oder so.
00:43:56: deswegen würde ich immer dafür plädiere wenn man die eigenen Gefühle klarer hat, da auch in den Austausch zu gehen.
00:44:02: Weil es ist natürlich eine Ausnahmesituation ganz klar und sich auch selber zu fragen, wovor habe ich eigentlich Angst?
00:44:09: Und ja manchmal ist das irgendwie so die Angst vor der Angst und dann macht's alles irgendwie noch größer und verstärkt sich.
00:44:16: Und wie oft hab' ich das eben schon erlebt, dass Kinder auf einmal die lassen das dann so platzen oder auf einmal ist das gar nicht mehr so schlimm?
00:44:26: Ich hab noch ne andere Frage an dich und zwar vielleicht... Wenn man weiter vorne zu Beginn der Demenzerkrankung auch schaut, ist es ja auch dann manchmal so dass Menschen sagen alles bringt alles nichts mehr oder vielleicht diesen Gedanken haben.
00:44:40: Ja das Leben zu beenden weil die Krankheit so schrecklich ist oder einem die Würde nimmt.
00:44:49: was rätst du denn Angehörigen oder auch Zugehörigen?
00:44:53: Die mit solchen Aussagen konfrontiert sind?
00:44:57: also Ja, wie kann man damit umgehen?
00:45:00: Was und was heißt es tatsächlich.
00:45:02: Also heiß ist schon tatsächlich dass diese Persones sterben möchte.
00:45:06: also ich habe das sehr oft auf Palliativstationen erlebt dass Menschen gesagt haben euch wollte die ganze Zeit eben den assistiert den Weg des assistierten Suizids gehen.
00:45:16: jetzt bin ich aber auf der palliativ station für mich total aufgehoben und ganzheitlich betreut und Ich hab das in meiner nachtisch Schublade Und würde aber sagen ich brauche das gar nicht.
00:45:27: Ich glaube, es geht da auch wirklich einfach ganz genau hinzuhören und zu fühlen.
00:45:32: Weil manchmal ist es doch einfach nur ein Hilfeschrei so weil die Menschen... Und das ist ja auch so ein Ding, so.
00:45:40: dieses Thema Alter-Suite sieht auch dass viele Menschen halt dann ältere sich einsam fühlen oder als Ballast, dass ich zu viel bin oder so.
00:45:53: Nicht einfach zu sagen, ach ja okay die Rede darf von ich mag jetzt nicht mehr.
00:45:58: Da machen wir das jetzt halt einfach sondern halt wirklich zu gucken was ist das und dann vielleicht eben auch professionelle Leute mit an Bord zu holen.
00:46:07: also wie gesagt es ist sehr so dass muss man so individuell betrachten.
00:46:10: Ich glaube da gibt's auch gerade keine keine Lösung oder kein Fragenkatalog den ich jetzt hier irgendwie dir anbieten kann.
00:46:16: Sondern es geht immer ganz individuell um den Menschen Und um zu gucken, wo steht ja gerade was ist die Lebensrealität und wie ist der drauf?
00:46:25: Wie ist die Persönlichkeit schon immer gewesen.
00:46:27: Was verändert sich grade?
00:46:28: Wo ist eine Überforderung da?
00:46:29: Eine Einsamkeit so oder auch gar nichts.
00:46:33: So Individualität würde ich da einfach gerade ganz hoch hängen.
00:46:37: und zum Thema weil ich jetzt meinen Podcast Klug und Tod in Kooperation auch mit der DGHS, also der Deutschen Gesellschaft für Humor und Sterben geführte Habe.
00:46:47: Und da noch mal viel mehr mitbekommen habe wie zum Beispiel das auch läuft bei einer assistierten Suizid wenn eine Demenzerkrankung im Spiel ist.
00:46:55: Da ist es natürlich so, wenn die Erkrankungen einfach schon sehr fortgeschrieben sind geht das natürlich nicht.
00:47:01: Das muss im Vorfeld einfach auch schon passiert sein dass jemand sagt okay ich Wenn da jetzt mitgelieht und ich leg das so fest, dass wenn eine Demenzerkrankung bei mir eintritt oder so dann möchte ich selbstbestimmt sterben.
00:47:15: Das muss alles im Vorfeld werden eben noch keinen... Also wenn die Erkrankung noch nicht stark fortgeschüttet ist oder ich weiß gar nicht ob es schon gar nicht mehr geht, wenn die Diagnose überhaupt da ist, das sind jetzt irgendwie Details, das musst du halt alles im vorfeld klären.
00:47:32: Und deswegen ist es ja auch so wichtig in dem Vorfeld sich damit zu beschäftigen was man für das Lebensende irgendwie auch möchte.
00:47:41: oder auch glaub ich, finde ich generell ist irgendwie schlau sich damit auseinanderzusetzen.
00:47:46: Was man eigentlich vom Leben möchte und nicht einfach so reinzuleben und so ja... Achso natürlich kann man das auch machen gar keine Frage aber dass es ja auch eine Sache wo ich mir denke wenn ich mich da mit auseinandersetzte wie ich sterben möchte dann.. Es geht ja auch nicht nur um mein Leben sondern es geht doch um das von den Zugehörigen.
00:48:07: Weil wenn ich zum Beispiel gar nichts geregelt habe, dann haben die ... Wenn ich da nicht mehr da bin, haben die richtig viel zu tun und die wissen dann gar nicht um meine Wünsche und um was sich wollte weil ich nie darüber geredet hab, weil ich es nie geregkelt habe.
00:48:19: und dass ist bei so vielen Menschen eben passiert unter anderem auch bei meinen Großeltern, die das eigentlich jetzt nicht irgendwie festgehalten haben also erstes mein Opa gestorben, dann meine Oma Und die hatten da nichts aufgesetzt oder so?
00:48:32: Dann macht man das halt irgendwie nach besten Gewissen und denkt halt, ja das hätte die bestimmt so gewollt aber man hat halt nie vorher drüber gesprochen.
00:48:39: Das ist dann schon auch schade!
00:48:41: Und am Ende des Tages ist es eine ganz schöne Ego-Nummer wenn man sagt nee ich möchte mich damit nicht auseinandersetzen weil ich kann das nicht so gut Ja was geht nicht immer nur um dich Es geht halt auch darum dass du bist hier dann weg also kann dir egal sein Aber die bleiben Die müssen sich in unserem System hier halt dann darum kümmern neben all der Trauer Ja, du hast ja am Anfang des Gesprächs auch gesagt was man alles organisieren muss.
00:49:07: Man muss doch noch für irgendwelchen Eltern irgendwie kommunizieren diese Beerdigung dann ist es so viel los
00:49:14: nur
00:49:14: weil dieser eine Person das halt vorher nicht geregelt hat.
00:49:17: Ja also und der Tod ist ja nochmal das Eine.
00:49:20: aber Also dieses Sterben, das andere.
00:49:25: Ich denke auch gerade an eine Umfrage die ich jetzt in der Vorbereitung gesehen habe wo mehr als fünfzig Prozent der Menschen haben gesagt dass sie gerne zu Hause sterben möchten.
00:49:37: Jeder will eigentlich daheim sterben aber die Realität ist ja eine ganz andere.
00:49:42: und was müsste sich da ändern?
00:49:46: Zum einen man selber drüber sprechen, sich austauschen Aber was können vielleicht auch Angehörige tun?
00:49:54: oder was muss sich ändern, damit eben diesen Wunsch entsprochen werden kann?
00:49:59: Obwohl man vielleicht nachfragen kann ob das tatsächlich immer die beste ... Gibt es eine beste Art zu sterben?
00:50:07: Wahrscheinlich nicht.
00:50:08: Aber
00:50:09: das ist auch ne gute Frage, die man so als Entfrage stehen lassen kann und jeder für sich selber einfach mal versuchen zu beantworten.
00:50:17: Es heißt immer Zuhause ist am besten!
00:50:20: Und da sind wir vielleicht wieder bei einem Vergleich zur Pflege.
00:50:23: Das heisst auch immer ja häusliche Pflege und die Angehörigen sind die Besten weil zu Hause fühlt sich die Person wohl.
00:50:29: Aber ganz ehrlich, gerade wenn die eine Krankheit fortgeschritten ist und man so viel körperliche Pflege auch leisten muss.
00:50:36: Das kann man als Angehöriger gar nicht gut weil man ist da nicht eingelernt, man macht falsche Handgriffe.
00:50:40: Und ich würde im Rückblick sagen wir haben meine Mama definitiv zu spät ins pflegeheim umgezogen Weil sie dort einen viel bessere körperlichen Pflege bekommen hat als daheim.
00:50:50: Ja
00:50:51: ja also Ich finde auch da muss man gucken und individuell immer wieder einstecken.
00:50:59: Wie sieht das jetzt aus?
00:51:00: Und ich kenne diese Studie auch, dass sich so viele Menschen wünschen eben dahin zu sterben.
00:51:05: Ich glaube gleichzeitig muss man sich fragen genau ist das wirklich realistisch und umsetzbar?
00:51:11: Aber wie wird dann zu Hause gestorben?
00:51:12: Wie wird in Krankenhäusern zum Beispiel auch gestorbt?
00:51:17: Ich glaube aber was so gesellschaftlich irgendwie wichtig ist, ist, dass das Sterben einfach institutionalisiert wurde also das halt so weggeschafft wurde aus unserem Alltag in unseren Alltag integrieren dürfen, wie jetzt mit dem toten Maulwurf oder so.
00:51:34: Also ich sage nicht, dass man bei jedem toten Tier überhaupt ist in Wiener, aber da ging es eher um dieses Thema Kinder und Tod und denen das irgendwie greifbarer zu machen und eine gute Zeit auch zu haben usw.
00:51:44: Und weil ich mir denke ja, das hat natürlich einen Effekt also die werden... Ich weiß nicht wenn ich die das nächste Mal irgendwie sehen werde, werden wir auf jeden Fall wieder zum Maulwurf gehen?
00:51:52: Die werden das ihr Leben lang glaube ich nicht vergessen!
00:51:55: Da finde ich, das hatte schon sehr nachhaltigen Effekt Genau, aber dadurch dass eben Hospizepalettivstationen und so Krankenhäuser natürlich das sind einerseits auch Wirtschaftsunternehmen.
00:52:08: Und der Stern wird halt ausgelagert.
00:52:12: Ich wüsste jetzt aber auch keine Pauschallösung wie das verändert werden könnte.
00:52:17: Aber Hospiz- und Palettivstationen machen ja schon so viel Öffentlichkeitsarbeit mit dem Podcast oder so, dass man immer mehr versucht auf Social Media ja unter anderem auch, da irgendwie mehr Aufklärung reinzubringen und mehr junge Menschen auch irgendwie dafür zu begeistern Vorbildfunktion einzunehmen.
00:52:36: Und so zeigen ihr seid halt nicht allein und das Sterben wird.
00:52:40: schrifthalt alle in unterschiedlichen Alterssequenden und es geht eher um... Du bist halt nicht alleine damit!
00:52:50: Es gibt dir so viele Angebote mit Trauergruppen und viele wissen halt nicht darum und ich glaube es geht einfach mehr darum, das noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen durch Filme, Bücher, Literatur, Kunst und den Menschen irgendwie halt auch so während mehr aufzuzeigen.
00:53:10: Und vielleicht auch die Angst abzubauen oder die Angst überhaupt nicht entstehen zu lassen im Kind des Alters.
00:53:15: Ja es sind auf jeden Fall glaube ich auch große Aufgaben und gleichzeitig glaube ich aber auch wenn wir einen anderen Umgang mit dem Tod hätten dann bräuchten wir auch diese ganzen, sag' ich schon oft nach wie vor, finde ich es schon so ein Ding.
00:53:26: Wir bräuchten diese ganzen Achtsamkeitsratgeber gar nicht, weil ich glaube der Tod ist unser größter Achtsamtkeitsradgeber und denen einfach ein bisschen mehr vielleicht auch ins Leben noch zu integrieren.
00:53:38: an manchen Stellen wäre vielleicht irgendwie, glaube ich voll nett.
00:53:44: Wie gesagt, sich einfach mal einen Glas Rudwein nehmen und mit den besten Freunden über die Beerdigung sprechen oder so.
00:53:50: Ich habe gestern so ein kleines Fragenset bekommen wo es einfach um die letzten Fragen geht.
00:53:57: Und die haben aber auch eigentlich so viel mit dem Leben zu tun, man kann sich auch sehr spielerisch damit auseinandersetzen.
00:54:04: Ja ich glaube das ist wichtig und was für eine Haltung ich zu dem Thema habe, das gebe ich natürlich irgendwie auch weiter.
00:54:10: Das strahlt ja, hat ja auch eine Strahlkraft und das ist ja schön und so kann ich im Kleinen auch Veränderungen setzen.
00:54:19: Danke dir!
00:54:21: Danke für das Gespräch, du weißt.
00:54:23: Ich habe davor gesagt ich bin ein bisschen nervös und will darüber versprechen.
00:54:29: Ich nehme ganz viel mit diese Gleichzeitigkeit dieses Sprechen und dieses sowohl als auch was ja irgendwie immer da ist – auch ganz viel Zuversicht!
00:54:39: Ich habe noch eine allerletzte Frage.
00:54:41: Was würdest du den Angehörigen mitgeben, die vielleicht gerade jemanden begleiten mit einer Demenz, die in der Pflege stecken und sich vor dem Thema fürchten oder sorgen?
00:54:54: Aber ich finde das echt schwierig auch so dieses Ratschläge- oder Empfehlung.
00:55:02: Irgendwie kann mir jetzt gerade einfach nur dieses
00:55:04: Konnekten
00:55:06: einfach nicht mit anderen austauschen weil man sich glaube ich in diesem ganzen Alltagshassel so auch verlieren kann und sich vielleicht auch selbst irgendwie echt einsam fühlt.
00:55:18: Und dass man aber auch merkt, das geht anderen Menschen aber ähnlich oder die haben halt auch ähnliche Sorgen oder Ängste und dann findet man vielleicht dadurch zueinander und merkt aber es gibt aber auch noch diese andere Seite von der wir auch gesprochen haben und uns auch darüber eine Verbindung zu finden dass es eher sowas gemeinsam ist, bekommt und nicht was sich alleine schaffen muss.
00:55:41: Ich glaube das auch so ein gesellschaftliches Ding, immer alles alleine zu schaffen musst du nicht.
00:55:45: Du kannst dir Hilfe holen und suchen und Unterstützung und das ist auch voll wichtig.
00:55:52: Danke schön.
00:55:53: Johanna vielen Dank, dass du da warst!
00:55:55: Ja sehr gerne.
00:55:59: Zum
00:56:00: Abschluss möchte ich euch auf die Intensivworkshops von Die Sidiere hinweisen.
00:56:05: Vielleicht kennt ihr schon die Impulse-Workshops, da geht es immer um ein Thema zum Beispiel Selbstfürsorge oder auch den Umgang mit Schuldgefühlen oder Trauer.
00:56:14: Die neuen Intensifworkshop gehen aber ein bisschen tiefer und laden einzig intensiver mit einem Thema zu beschäftigen.
00:56:22: In einer Gruppe mit einem erfahrenen Desideria-Coach oder Coaching, ihr könnt darin euer Wissen vertiefen und in praktischen Übungen zum Beispiel eben auch zur Selbstvorsorge eure eigene Situation besser verstehen.
00:56:36: Und Lösungen entwickeln!
00:56:38: Die Intensivworkshops finden auch online statt.
00:56:41: Alle Termine und Themen findet ihr auf der Homepage – den Link dazu findet ihr in dem Schaunutz.
00:56:48: Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann teilt ihn doch bitte mit anderen Angehörigen und Interessierten.
00:56:55: Ich freue mich auch wenn ihr Leben lieben Pflegen abonniert und uns auf der Podcast-Plattform eurer Wahl positiv bewertet!
00:57:01: Ganz herzlichen Dank!
00:57:19: Empfehlt diesen Podcast gerne weiter.
00:57:22: Alle Folgen und Informationen findet ihr in den Shownotes auf lebenliebenpflegen.de und auf Instagram unter desideria.ev.
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